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Qualitative oder quantitative Forschung in deiner Bachelorarbeit? Diese Entscheidung hängt von deiner Forschungsfrage ab. Hier erfährst du die Unterschiede, wann du welchen Ansatz wählst und wie du die Entscheidung für deine Arbeit triffst.
Qualitative Forschung untersucht das Warum und Wie in der Tiefe (Interviews, Textanalyse). Quantitative Forschung misst das Wie oft und Wie viel mit Zahlen (Fragebogen, Statistik). Mixed Methods kombinieren beide Ansätze. Deine Forschungsfrage entscheidet: Willst du verstehen, wähle qualitativ. Willst du messen, wähle quantitativ.
Beantworte diese fünf Fragen, um deine Methode zu finden:
1. Fragt deine Forschungsfrage nach „Wie erleben..." oder „Warum..."?
Ja → qualitativ. Nein → weiter.
2. Fragt sie nach Häufigkeiten, Zusammenhängen oder Unterschieden?
Ja → quantitativ. Nein → weiter.
3. Hast du Zugang zu vielen Teilnehmenden?
Ja → quantitativ möglich. Wenige Personen → qualitativ oft realistischer. (Ausnahmen:
Sekundärdaten oder kleine quantitative Stichproben für Pretests/deskriptive Auswertungen, aber stark
limitiert.)
4. Gibt es validierte Skalen/Instrumente zu deinem Thema?
Ja → quantitativ oft effizient. Nein → qualitativ zur Exploration. Leitregel: Ein valides
Instrument erleichtert quantitative Forschung, ersetzt aber nicht die Passung zur Forschungsfrage.
Prozess- oder Bedeutungsfragen bleiben qualitativ sinnvoll.
5. Hast du Zeit für Transkription und interpretative Analyse?
Ja → qualitativ möglich. Nein → quantitativ effizienter.
Ergebnis: Überwiegend Ja bei 1, 5 → qualitativ. Überwiegend Ja bei 2,
3, 4 → quantitativ.
Grenzfälle: Bei Sekundärdaten, kleinen Stichproben
mit deskriptiver Auswertung oder Inhaltsanalysen ist die Zuordnung nicht eindeutig. Besprich solche Fälle
mit deiner Betreuung.
Der zentrale Unterschied
Der Unterschied liegt im Erkenntnisziel und der Datenart. Qualitative Forschung erzeugt Textdaten und analysiert Bedeutungen. Quantitative Forschung erzeugt Zahlendaten und analysiert statistisch. Diese Grundunterscheidung ist wichtig, aber die Realität ist nuancierter als das einfache Schema „verstehen vs. messen".
Qualitative Forschung arbeitet mit offenen Fragen und erzeugt Textdaten. Du führst Interviews, analysierst Dokumente oder beobachtest Situationen. Die Auswertung ist interpretativ: Du suchst nach Mustern, Bedeutungen und Zusammenhängen im Material. Qualitative Forschung kann dabei durchaus theoriegeleitet sein, etwa wenn du mit einem vordefinierten Kategoriensystem aus der Theorie arbeitest.
Quantitative Forschung arbeitet mit geschlossenen Fragen und erzeugt Zahlendaten. Du nutzt standardisierte Fragebögen, Experimente oder vorhandene Statistiken. Quantitative Forschung kann auch explorativ oder deskriptiv sein, etwa wenn du ohne Hypothesen Häufigkeiten beschreibst oder Zusammenhänge erst entdecken willst. Nicht jede quantitative Studie prüft Hypothesen.
Ist quantitative Forschung automatisch repräsentativ?
Nein. Repräsentativität hängt von der Stichprobe ab, nicht von der Methode. Eine Online-Umfrage unter 200 Studierenden deiner Hochschule ist quantitativ, aber nicht repräsentativ für alle Studierenden in Deutschland. Repräsentativität erfordert eine Zufallsstichprobe aus der Grundgesamtheit. Das ist in Bachelorarbeiten selten realistisch. Benenne diese Einschränkung transparent in der Diskussion.
Ein einfaches Beispiel verdeutlicht den Unterschied: Bei der Frage nach Studierendenzufriedenheit kann ein quantitativer Ansatz messen, wie zufrieden Studierende auf einer Skala von 1 bis 5 sind. Ein qualitativer Ansatz erkundet, was Zufriedenheit für Studierende konkret bedeutet und welche Faktoren sie beeinflussen.
Wann qualitative Forschung wählen?
Qualitative Forschung eignet sich, wenn du ein Thema in der Tiefe verstehen willst. Der Ansatz ist besonders dann sinnvoll, wenn du Erfahrungen, Motive oder Bedeutungen erforschen möchtest und wenn wenig Vorwissen zum Thema existiert.
Typische Fragestellungen für qualitative Forschung beginnen mit Wie oder Warum. Beispiele sind „Wie erleben Erstakademiker den Studieneinstieg?" oder „Warum wechseln Pflegekräfte den Beruf?". Solche Fragen lassen sich nicht mit Ja oder Nein beantworten und erfordern offene Erhebungsmethoden.
Zu den häufigsten qualitativen Methoden gehören leitfadengestützte Interviews, Fokusgruppen und die qualitative Inhaltsanalyse. Bei Interviews sprichst du mit Einzelpersonen über ihre Erfahrungen und Sichtweisen. Fokusgruppen ermöglichen Gruppendiskussionen zu einem Thema. Die Inhaltsanalyse untersucht vorhandene Texte, Medien oder Dokumente systematisch auf Bedeutungsmuster.
Forschungsfrage:
„Wie erleben Studierende den Übergang vom Bachelor zum Master?"
Methode:
10 leitfadengestützte Interviews mit Masterstudierenden im ersten Semester. Auswertung mittels
qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring.
Ergebnis: Differenzierte Beschreibung der Übergangserfahrung mit identifizierten Mustern wie Anpassungsdruck, Neuorientierung und Kompetenzentwicklung.
Wann quantitative Forschung wählen?
Quantitative Forschung eignet sich, wenn du etwas messen, zählen oder statistisch prüfen willst. Der Ansatz ist sinnvoll, wenn bereits Vorwissen zum Thema existiert und du Zusammenhänge oder Unterschiede numerisch erfassen möchtest.
Typische Fragestellungen für quantitative Forschung fragen nach Häufigkeiten, Zusammenhängen oder Unterschieden. Beispiele sind „Wie verbreitet ist Prokrastination unter Studierenden?" oder „Gibt es einen Zusammenhang zwischen Arbeitsbelastung und Burnout-Risiko?". Solche Fragen erfordern Daten, die sich in Zahlen ausdrücken lassen.
Brauche ich bei quantitativer Forschung immer Hypothesen?
Nein. Quantitative Forschung kann auch deskriptiv oder explorativ sein. Eine deskriptive Studie beschreibt Häufigkeiten oder Verteilungen, ohne Zusammenhänge zu testen. Eine explorative Studie sucht nach Mustern in den Daten, ohne vorab Hypothesen aufzustellen. Hypothesenprüfende Forschung ist ein häufiger, aber nicht der einzige quantitative Ansatz. Kläre mit deiner Betreuung, welche Form erwartet wird.
Zu den häufigsten quantitativen Methoden gehören standardisierte Fragebögen, Experimente und die Auswertung vorhandener Statistiken. Fragebögen erheben Daten von vielen Personen gleichzeitig. Experimente prüfen Ursache-Wirkungs-Beziehungen unter kontrollierten Bedingungen. Sekundäranalysen nutzen bereits erhobene Daten wie amtliche Statistiken oder Unternehmensdaten.
Forschungsfrage:
„Beeinflusst die Nutzung von Social Media die Studienleistung?"
Methode:
Online-Fragebogen mit 150 Studierenden. Erfassung der täglichen Social-Media-Nutzung und der
Durchschnittsnote. Auswertung mittels Korrelationsanalyse.
Ergebnis: Statistisch signifikante negative Korrelation zwischen Nutzungsdauer und Notendurchschnitt (r = -.23, p < .05).
Mixed Methods: Beide Ansätze kombinieren
Mixed Methods kombinieren qualitative und quantitative Forschung in einer Studie. Du nutzt die Stärken beider Ansätze und erhältst ein umfassenderes Bild deines Forschungsthemas. In Bachelorarbeiten ist dieser Ansatz möglich, aber aufwendig.
Ein klassisches Vorgehen ist das explorative Design: Du startest mit qualitativen Interviews, um ein Thema zu verstehen. Die Erkenntnisse nutzt du dann, um einen Fragebogen zu entwickeln und die Ergebnisse quantitativ zu überprüfen. Umgekehrt funktioniert das erklärende Design: Nach einer quantitativen Erhebung führst du Interviews, um auffällige Ergebnisse zu vertiefen.
Der Aufwand für Mixed Methods ist erheblich höher als für einen einzelnen Ansatz. Du musst zwei verschiedene Erhebungen planen, durchführen und auswerten. Bevor du dich für Mixed Methods entscheidest, kläre mit deiner Betreuung, ob das im Rahmen deiner Bachelorarbeit realistisch ist. Häufig reicht ein sauber durchgeführter mono-methodischer Ansatz.
Wann sind Mixed Methods Overkill in der Bachelorarbeit?
Mixed Methods sind Overkill, wenn deine Forschungsfrage mit einem Ansatz vollständig beantwortbar ist. Wenn du nur verstehen willst, wie Menschen etwas erleben, reichen qualitative Interviews. Wenn du nur einen Zusammenhang prüfen willst, reicht eine quantitative Umfrage. Mixed Methods lohnen sich nur, wenn du begründen kannst, warum beide Perspektiven nötig sind und wie sie sich ergänzen.
Der Zeitaufwand für Mixed Methods ist erheblich: Du planst, erhebst und wertest zweimal aus. In einer Bachelorarbeit mit begrenzter Bearbeitungszeit ist ein methodisch sauber durchgeführter mono-methodischer Ansatz meist die bessere Wahl. Mixed Methods ergeben Sinn, wenn du etwa ein neues Phänomen erst explorativ erschließen und dann quantitativ überprüfen willst.
Mixed Methods bedeutet nicht, qualitative und quantitative Elemente beliebig zu mischen. Du brauchst eine klare Begründung, warum beide Ansätze nötig sind, und ein durchdachtes Design, wie sie zusammenwirken. Nur quantitative Daten mit ein paar offenen Fragen zu ergänzen ist noch kein Mixed-Methods-Design.
Stichprobe und Rekrutierung in der Praxis
Die Stichprobe beeinflusst maßgeblich, welche Aussagen du treffen kannst. Qualitative und quantitative Forschung haben unterschiedliche Sampling-Logiken und Rekrutierungswege.
Qualitatives Sampling: Du wählst Fälle gezielt nach inhaltlichen Kriterien aus (Purposive Sampling). Ziel ist nicht Repräsentativität, sondern informationsreiche Fälle. Typische Strategien sind das theoretische Sampling (Fälle nach Erkenntnisfortschritt auswählen), das Maximum-Variation-Sampling (möglichst unterschiedliche Fälle) oder das Snowball-Sampling (Empfehlungen von Interviewten). Die Fallzahl ergibt sich aus der theoretischen Sättigung, nicht aus statistischen Formeln.
Quantitatives Sampling: Idealerweise ziehst du eine Zufallsstichprobe aus der Grundgesamtheit. In Bachelorarbeiten ist das selten möglich, du arbeitest meist mit Gelegenheitsstichproben (Convenience Sampling). Das ist legitim, aber du musst die Einschränkung benennen: Deine Ergebnisse gelten für die befragte Gruppe, nicht automatisch für alle. Die Stichprobengröße hängt von der geplanten Analyse ab.
Rekrutierungswege: Für Interviews funktionieren Gatekeeperkontakte (Organisationen, Verbände), persönliche Netzwerke oder Aushänge. Für Umfragen eignen sich Social-Media-Gruppen, Mailverteiler, Foren oder Plattformen wie SurveyCircle. Plane mehr Zeit ein als gedacht: Rücklaufquoten variieren stark je nach Zielgruppe und Kanal. Bei breit gestreuten Online-Umfragen können sie niedrig sein, bei geschlossenen Verteilern deutlich höher. Interviewtermine verschieben sich häufig.
Typische Stolpersteine und Abhilfe: Geringe Rücklaufquoten lassen sich durch Reminder nach 5 bis 7 Tagen, kleine Incentives (Verlosung, Zusammenfassung der Ergebnisse) und kürzere Fragebögen verbessern. Unpassende Teilnehmende filterst du mit Screening-Fragen zu Beginn. Interviewabsagen reduzierst du durch flexible Terminoptionen und zeitnahe Bestätigungsmails. Dokumentiere deine Rekrutierungsstrategie im Methodikteil.
Ethik und Datenschutz: Bei jeder Erhebung mit Personen brauchst du eine informierte Einwilligung. Erkläre Teilnehmenden Zweck, Ablauf und Datenverwendung. Anonymisiere oder pseudonymisiere die Daten vor der Auswertung. Speichere Rohdaten sicher (nicht in unverschlüsselten Cloud-Diensten). Kläre die Vorgaben deiner Hochschule mit deiner Betreuung oder dem Prüfungsamt. Manche Fachbereiche verlangen ein Ethikvotum.
Auswertung: Was bedeutet das konkret?
Die Auswertungsmethode hängt von deiner Datenart und Fragestellung ab. Hier sind die gängigsten Verfahren für Bachelorarbeiten, jeweils mit Anwendungskontext.
Qualitative Auswertung: Die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring ist der Klassiker für Interviews und Dokumente. Du entwickelst Kategorien (deduktiv aus der Theorie oder induktiv aus dem Material) und ordnest Textstellen zu. Die thematische Analyse funktioniert ähnlich, ist aber flexibler in der Kategorienbildung. Die Grounded Theory, bei der Kategorien iterativ aus dem Material entstehen, ist anspruchsvoll und oft zu umfangreich für Bachelorarbeiten. Wähle sie nur, wenn deine Betreuung das explizit unterstützt. Software wie MAXQDA oder ATLAS.ti erleichtert die Arbeit bei größeren Datenmengen, ist aber nicht zwingend erforderlich. Bei wenigen Interviews reicht auch eine saubere Strukturierung in Tabellen oder Word. Entscheidend ist das nachvollziehbare Vorgehen.
Quantitative Auswertung: Deskriptive Statistik (Häufigkeiten, Mittelwerte, Standardabweichungen) beschreibt deine Daten. Gruppenvergleiche (t-Test, ANOVA) prüfen, ob sich Gruppen signifikant unterscheiden. Korrelationen messen Zusammenhänge zwischen Variablen. Regressionsanalysen prüfen, ob eine Variable eine andere vorhersagt. Excel eignet sich für deskriptive Auswertungen und Datensichtung. Für Inferenztests (t-Test, Korrelation, Regression) nutze SPSS, R oder JASP. Wähle das Verfahren, das zu deiner Fragestellung passt, nicht das komplexeste.
Ist Inhaltsanalyse qualitativ oder quantitativ?
Beides ist möglich. Die qualitative Inhaltsanalyse interpretiert Bedeutungen und Zusammenhänge im Text. Die quantitative Inhaltsanalyse zählt das Vorkommen definierter Kategorien in einem großen Textkorpus. Die Grenze ist fließend: Oft werden Kategorien qualitativ entwickelt und dann quantitativ ausgezählt. Entscheidend ist, was deine Forschungsfrage verlangt: Bedeutungstiefe oder Häufigkeitsverteilung.
Von der Frage zur Auswertung: Zwei Beispiele
- Qualitativ: Forschungsfrage „Wie erleben Studierende den Übergang ins Berufsleben?" → Daten: Interviewtranskripte → Auswertung: Qualitative Inhaltsanalyse → Ergebnis: Differenzierte Beschreibung der Übergangserfahrung.
- Quantitativ: Forschungsfrage „Beeinflusst Arbeitszufriedenheit die Wechselabsicht?" → Daten: Fragebogen (Likert-Skalen) → Auswertung: Korrelation oder Regression → Ergebnis: r = -.45, p < .01.
Was du im Methodikteil berichten musst
- Quantitativ: Stichprobenbeschreibung, Operationalisierung der Variablen mit Skalenquelle, Reliabilität (z. B. Cronbachs Alpha), Analyseverfahren und Annahmen, Limitierungen.
- Qualitativ: Sampling-Logik und Fallauswahl, Leitfaden oder Materialbeschreibung, Vorgehen der Kodierung (deduktiv/induktiv), Transparenz über Analyseprozess, Limitierungen.
Entscheidungshilfe für deine Bachelorarbeit
Wenn du im Schnellcheck im Grenzfall landest, helfen dir diese drei Zusatzkriterien bei der endgültigen Entscheidung.
Datenzugang prüfen: Hast du Zugang zu genügend Teilnehmenden für eine quantitative Studie? Die benötigte Stichprobengröße variiert stark je nach Analysemethode und Fach. Für einfache deskriptive Auswertungen können 30 bis 50 Personen genügen, für komplexere Analysen werden oft deutlich mehr benötigt. Wenn du nur 8 bis 15 Personen erreichst, ist qualitative Forschung meist die bessere Wahl. Kleine Stichproben können quantitativ für rein deskriptive Zwecke oder Pretests funktionieren, aber statistische Tests und Generalisierungen sind dann stark limitiert. Bei Sekundärdaten (SOEP, PISA, Unternehmensdaten) ist quantitativ oft einfacher.
Vorhandene Instrumente nutzen: Für viele Konstrukte existieren validierte Fragebögen (Skalen). Wenn du einen solchen findest, erleichtert das quantitative Forschung erheblich. Ohne passende Skala müsstest du selbst entwickeln und validieren, was zeitaufwendig ist. In dem Fall kann eine qualitative Studie effizienter sein.
Betreuungserwartungen klären: Manche Betreuende bevorzugen bestimmte Methoden oder haben mehr Expertise in einem Ansatz. Kläre früh, was erwartet wird und wo du Unterstützung bekommst. Eine methodisch saubere qualitative Arbeit ist mehr wert als eine schlecht umgesetzte quantitative.
Formuliere deine Forschungsfrage präzise, bevor du die Methode wählst. Besprich die Entscheidung frühzeitig mit deiner Betreuung, um sicherzugehen, dass dein Vorhaben methodisch tragfähig ist.
Typische Fehler bei der Methodenwahl
- Fehler 1: Methode vor Frage wählen. Du entscheidest dich für Interviews, weil
du sie spannend findest, obwohl deine Frage nach Häufigkeiten fragt.
So erkennst du es: Deine Methode stand fest, bevor die Forschungsfrage formuliert war.
So korrigierst du es: Schreibe zuerst die Forschungsfrage auf. Prüfe dann mit dem Schnellcheck, welche Methode passt. - Fehler 2: Qualitativ mit quantitativ verwechseln. Du führst Interviews und zählst
dann, wie oft ein Wort vorkommt. Das ist oberflächliche Quantifizierung, keine qualitative Analyse.
So erkennst du es: Deine Auswertung endet bei Worthäufigkeiten statt bei Bedeutungsmustern.
So korrigierst du es: Lies Methodenliteratur zur qualitativen Inhaltsanalyse (Mayring, Kuckartz). - Fehler 3: Aufwand unterschätzen. Du planst 10 Interviews in zwei Wochen, ohne
Transkription und Auswertung einzukalkulieren.
So erkennst du es: Dein Zeitplan enthält nur Erhebung, keine Auswertung.
So korrigierst du es: Rechne pro Interviewstunde mit 4–6 Stunden für Transkription und 2–4 Stunden für die Codierung. - Fehler 4: Gütekriterien ignorieren. Du beschreibst dein Vorgehen, reflektierst
aber nicht die Qualitätsstandards.
So erkennst du es: In deinem Methodikteil fehlt jede Reflexion über Qualitätssicherung.
So korrigierst du es: Lies die Gütekriterien für deinen Ansatz nach (z. B. Reliabilität/Validität vs. Nachvollziehbarkeit). Integriere die Reflexion in den Methodikteil.
Nächster Schritt: Methode festlegen und planen
Du hast jetzt einen Überblick über qualitative und quantitative Forschung. Hier ist dein konkreter Plan für die nächsten Schritte.
- Schritt 1: Forschungsfrage finalisieren. Formuliere deine Forschungsfrage so präzise, dass der passende Ansatz erkennbar wird.
- Schritt 2: Datenzugang prüfen. Kläre, ob du genügend Teilnehmende für quantitative Forschung erreichst oder ob qualitative Forschung realistischer ist. Identifiziere Rekrutierungswege und Gatekeeperkontakte.
- Schritt 3: Instrument entwickeln. Erstelle deinen Interviewleitfaden oder Fragebogen. Recherchiere vorhandene Skalen. Dokumentiere die Entwicklung für den Methodikteil.
- Schritt 4: Pretest durchführen. Teste dein Instrument mit 2 bis 3 Personen. Prüfe Verständlichkeit, Dauer und technische Funktionalität. Passe an.
- Schritt 5: Auswertung planen. Entscheide vor der Erhebung, wie du auswerten wirst. Bei qualitativer Forschung: Welches Verfahren, welche Software? Bei quantitativer Forschung: Welche Tests, welche Voraussetzungen?
Im Exposé hältst du dein geplantes Vorgehen fest. Besprich den Plan mit deiner Betreuung, bevor du mit der Erhebung startest. Nach der Fertigstellung kannst du deine Arbeit drucken und binden lassen.
Häufig gestellte Fragen
Was ist besser: qualitative oder quantitative Forschung?
Es gibt kein generelles „besser". Die Wahl hängt von deiner Forschungsfrage ab. Willst du verstehen, warum Menschen etwas tun oder wie sie etwas erleben, nutze qualitative Methoden. Willst du messen, wie häufig etwas vorkommt oder ob Zusammenhänge bestehen, wähle quantitative Methoden.
Kann ich qualitative und quantitative Methoden kombinieren?
Ja, das nennt sich Mixed Methods. Du könntest etwa mit Interviews starten und dann eine Umfrage entwickeln. Kläre vorab mit deiner Betreuung, ob Mixed Methods realistisch sind: Der Aufwand ist deutlich höher, da du zwei Erhebungen und Auswertungen durchführst. Für die meisten Bachelorarbeiten reicht ein sauber durchgeführter mono-methodischer Ansatz.
Wie viele Interviews brauche ich für qualitative Forschung?
In Bachelorarbeiten sind 6 bis 12 Interviews üblich. Entscheidend ist die theoretische Sättigung: Wenn neue Interviews keine wesentlich neuen Erkenntnisse mehr bringen, hast du genug. Einflussfaktoren sind die Heterogenität deiner Zielgruppe und die Komplexität deiner Fragestellung. Homogene Gruppen brauchen weniger Interviews. Sprich die Anzahl mit deiner Betreuung ab.
Wie groß muss meine Stichprobe bei quantitativer Forschung sein?
Das hängt von Analysemethode, Effektstärke und Fachkonventionen ab. Grobe Richtwerte: Für deskriptive Statistiken können 30 bis 50 Teilnehmende genügen, für Gruppenvergleiche werden pro Gruppe oft mindestens 20 bis 30 angestrebt, für Regressionen gilt als Faustregel 10 bis 20 Fälle pro Prädiktor. Diese Zahlen variieren je nach Fach und Design. Nutze vorab eine Poweranalyse (G*Power) oder frag deine Betreuung nach den Erwartungen in deinem Fachbereich.
Ist qualitative Forschung weniger wissenschaftlich als quantitative?
Nein. Qualitative Forschung folgt anderen, aber ebenso strengen wissenschaftlichen Standards. Statt Reliabilität und Validität im statistischen Sinne gelten Gütekriterien wie Nachvollziehbarkeit, Glaubwürdigkeit und Übertragbarkeit. Beide Ansätze sind gleichwertig, wenn sie methodisch sauber umgesetzt werden.
Welche Methode ist schneller umsetzbar?
Das lässt sich pauschal nicht sagen. Bei quantitativer Forschung geht die Datenerhebung oft schneller, aber Fragebogenentwicklung und Auswertung kosten Zeit. Bei qualitativer Forschung sind Interviews zeitintensiv, besonders Transkription (4 bis 6 Stunden pro Interviewstunde) und Codierung. Plane für beide Ansätze mehr Zeit ein als gedacht.
Was mache ich bei kleiner quantitativer Stichprobe?
Kleine Stichproben (unter 30) schränken quantitative Analysen stark ein. Was geht: Deskriptive Statistiken, explorative Auswertungen, Pretests. Was nicht geht: Inferenztests mit ausreichender Power, Generalisierungen, komplexe Modelle. Handlungsregel: Begründe transparent, warum die Stichprobe klein blieb, welche Analysen du trotzdem sinnvoll durchführen konntest und welche Aussagen dadurch limitiert sind. Alternativ: Wechsle zu einem qualitativen Design, wenn die Fallzahl für quantitative Aussagen nicht reicht.
Gliederung der Bachelorarbeit
Literaturkritik in der Bachelorarbeit
Verteidigung der Bachelorarbeit