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Eine Präsentation zur Seminararbeit zeigt deine Forschungsergebnisse visuell: Leitfrage, Methode, Ergebnisse und Fazit – typischerweise 10–12 Folien für 15 Minuten (variiert je nach Dozent und Fach). Anders als beim Referat präsentierst du eigene Erkenntnisse und musst Rückfragen zur Methodik beantworten können.
- Folienzahl: 8–10 (10 Min), 10–12 (15 Min), 14–16 (20 Min) – variiert je nach Dozent
- Leitfrage: eigene Folie, im Fazit wörtlich beantwortet
- Ergebnisse: ca. die Hälfte der Zeit, 2–4 Folien
- Jede Folie: eine Kernaussage, ergebnisorientierte Überschrift
- Quellen: Kurzbeleg am Inhalt, Quellenfolie am Ende
Seminararbeit-Präsentation vs. Referat
Die Präsentation einer Seminararbeit unterscheidet sich grundlegend von einem klassischen Referat. Beim Referat vermittelst du fremdes Wissen, bei der Seminararbeit-Präsentation zeigst du deine eigene Forschungsleistung. Das verändert, worauf Dozenten achten.
Leitfrage sichtbar
Methode nachvollziehbar
Ergebnisse als Kern
Grenzen ehrlich benennen
Bezug zur schriftlichen Arbeit
Quellenfolie vorhanden
Folienplan nach Vortragsdauer
Die Faustregel „eine Folie pro Minute" ist zu starr. Bei Ergebnisfolien bleibst du länger, bei Übergangsfolien kürzer. Der folgende Folienplan zeigt, wie du die Zeit sinnvoll verteilst.
Richtwerte zur Folienzahl: 8–10 Folien für 10 Minuten, 10–12 für 15 Minuten, 14–16 für 20 Minuten. Diese Werte variieren je nach Dozent, Fach und Raumgröße. Der Probedurchlauf mit Stoppuhr zeigt, ob dein Tempo passt. Backup-Folien zählen nicht mit (siehe Abschnitt „Rückfragen vorbereiten").
Vortragszeit inkl. oder exkl. Fragerunde? Frag vorher deinen Dozenten. In vielen Seminaren sind Vortrag und Diskussion getrennt (z. B. 15 + 5 Min). Falls die Fragerunde in den 15 Minuten liegt, kürze deinen Vortrag auf 12–13 Min. Plane generell 1–2 Minuten Puffer für Übergänge, Technikprobleme oder spontane Fragen ein.
Aufbau der Präsentation: Von Titel bis Fazit
Der Aufbau folgt der Struktur deiner schriftlichen Arbeit: Leitfrage, Vorgehen, Ergebnisse, Fazit. Jede Folie hat eine klare Funktion und eine ergebnisorientierte Überschrift. Statt „Ergebnisse" schreibst du „Produktivität steigt bei flexiblen Arbeitszeiten".
Statt „Methode": „Literaturanalyse von 12 Studien (2019–2024)"
Statt „Ergebnis 1": „78 % der Befragten bevorzugen hybride Modelle"
Statt „Diskussion": „Einschränkung: Nur deutschsprachige Quellen analysiert"
Statt „Fazit": „Antwort: Flexible Arbeitszeiten steigern Produktivität um 23 %"
Titelfolie: Name, Titel, Datum, Fach, Dozent. Schlicht halten. Einstieg: Ein Aufhänger (Zahl, Zitat, Bild), der neugierig macht. Leitfrage: Eigene Folie, optisch hervorgehoben. Die Frage ist der Kompass für alles, was folgt.
Methode: In einem Satz erklären, was du wie untersucht hast. Beispiel: „Analyse von 5 Studien zur Frage X". Ergebnisse: 2–4 Folien für deine Kernerkenntnisse. Jede Folie behandelt einen Aspekt. Hier verbringst du die meiste Zeit.
Diskussion: Was konntest du nicht untersuchen? Welche offenen Fragen bleiben? Diese Reflexion zeigt wissenschaftliche Reife. Fazit: Leitfrage wörtlich wiederholen und beantworten. Quellen: Quellenfolie am Ende (Details siehe Abschnitt „Quellen auf Folien").
Blueprints: Literaturarbeit vs. empirische Arbeit
Je nach Art deiner Seminararbeit unterscheidet sich der Schwerpunkt der Präsentation. Hier zwei Blueprints für die gängigsten Typen.
Literaturarbeit / Theorie
- Folie 3–4 Zentrale Begriffe/Modelle definieren
- Folie 5–6 Argumentationslinie: These → Belege → Gegenargumente
- Folie 7 Vergleich/Synthese der Positionen
- Visualisierung Modelle, Vergleichstabellen, Zitate
Empirische Arbeit
- Folie 3–4 Stichprobe, Design, Messinstrument
- Folie 5–7 Zentrale Befunde mit Diagrammen
- Folie 8 Limitationen: Stichprobengröße, Methode
- Visualisierung Balken-/Liniendiagramme, Tabellen
Bei Literaturarbeiten liegt der Fokus auf der Argumentation: Du zeigst, wie du verschiedene Positionen gegeneinander abgewogen hast. Bei empirischen Arbeiten stehen Daten und Methodik im Vordergrund. Dozenten erwarten, dass du erklären kannst, warum du diese Methode gewählt hast und welche Alternativen es gegeben hätte.
Foliendesign: Kernaussage pro Folie
Jede Folie transportiert genau eine Kernaussage. Formuliere diese als Ziel-Satz, bevor du die Folie baust: „Nach dieser Folie weiß mein Publikum, dass X." Wenn du den Satz nicht in einem Atemzug sagen kannst, ist die Folie überladen.
Übergänge und Moderationssätze erklärst du mündlich, nicht auf der Folie. Beispiel: „Nachdem wir die Methode gesehen haben, kommen wir jetzt zu den Ergebnissen." Diese Sätze gehören in deine Sprechernotizen, nicht auf die Folie selbst. Die Folie zeigt das Ergebnis, du lieferst den Kontext.
Schrift und Farben: Als Richtwert gelten 24 Punkt für Text und 32 Punkt für Überschriften. Diese Werte hängen von Raumgröße und Beamer ab. Dunkle Schrift auf hellem Grund. Serifenlose Schriften (Arial, Calibri, Helvetica). Maximal zwei bis drei Akzentfarben. Nutze Masterfolien für einheitliches Layout.
Schreibe pro Folie 2–3 Stichworte als Gedächtnisstütze in die Sprechernotizen (PowerPoint: Ansicht → Notizen). Keine ganzen Sätze, sonst liest du ab.
Beispiel: „Folie 5: Hauptergebnis → 78 % Zustimmung → Vergleich mit Studie Müller → Überleitung zu Grenzen"
Ergebnisse visualisieren: Diagramme richtig einsetzen
Diagramme transportieren Zahlen schneller als Tabellen. Wähle den Typ passend zur Aussage: Balkendiagramme für Vergleiche, Liniendiagramme für Entwicklungen, Kreisdiagramme für Anteile. Aber nicht jede Zahl braucht ein Diagramm. Manchmal ist ein einzelner, großer Wert auf der Folie wirkungsvoller.
Kein Kreisdiagramm für Vergleiche: Bei kleinen Unterschieden (52 % vs. 48 %) ist ein Balkendiagramm klarer. Kreisdiagramme nur bei deutlichen Unterschieden und maximal 5–6 Segmenten.
Keine 3D-Effekte: Sie verzerren die Darstellung und wirken unprofessionell. Flache, schlichte Diagramme sind immer besser.
Datenlabels statt Legende: Beschrifte die Balken/Segmente direkt, statt eine separate Legende zu nutzen. Das spart Blickwechsel.
Farbenblind-freundlich: Vermeide Rot-Grün-Kombinationen. Nutze Blau, Orange und Grautöne oder unterscheide zusätzlich durch Muster.
Quellen bei Diagrammen: Schreibe „Quelle: Müller (2023)" klein unter das Diagramm. Bei eigenen Daten: „Eigene Erhebung". Details zur Zitierweise findest du im Abschnitt „Quellen auf Folien".
Bilder: Nutze nur Bilder mit Nutzungsrecht (z. B. Unsplash, Pexels). Prüfe die Lizenzbedingungen. Quelle angeben ist fast immer die sichere Wahl.
Quellen auf Folien: Kurzbeleg und Quellenfolie
Kurzbeleg auf der Folie: Direkt am Inhalt. Bei wörtlichen Zitaten Autor, Jahr und Seitenzahl: „(Müller, 2023, S. 45)". Bei Paraphrasen (fremde Fakten in eigenen Worten) reicht Autor und Jahr: „(Müller, 2023)". Bei Bildern: „Quelle: Unsplash / Fotograf" klein unter das Bild. Bei eigenen Daten: „Eigene Erhebung" oder „Eigene Darstellung".
Quellenfolie am Ende: So vollständig, wie Leitfaden oder Dozent es verlangen. Häufig wird mindestens Autor, Jahr, Kurztitel akzeptiert. Falls Vollbelege gefordert sind, nutze eine kleinere Schrift (mind. 16 Punkt) oder verteile auf zwei Folien. Im Zweifel: Dozent fragen.
Buch: Müller, A. (2023): Digitale Transformation im Mittelstand. Springer.
Online: Statistisches Bundesamt (2024): Erwerbstätigkeit. destatis.de [Zugriff: 15.01.2026]
Rückfragen vorbereiten: Backup-Folien gezielt nutzen
Nach dem Vortrag folgt oft eine Fragerunde. Typische Rückfragen betreffen Methodik („Warum diese Quellen?"), Definitionen („Was genau meinen Sie mit X?") und Grenzen („Was konnten Sie nicht untersuchen?"). Bereite dich gezielt vor, indem du mögliche Fragen antizipierst.
Drei Backup-Folien, die fast immer sinnvoll sind: 1. Zentrale Begriffsdefinition (falls jemand nachfragt, was du unter X verstehst). 2. Methodik-Entscheidung (warum diese Methode und nicht eine Alternative?). 3. Detaildaten oder Robustheit (zusätzliche Zahlen, die im Hauptteil keinen Platz hatten). Platziere Backup-Folien nach der Quellenfolie und nummeriere sie separat (Backup 1, 2, 3).
Schnell zur Backup-Folie springen: In PowerPoint und Keynote tippst du während der Präsentation die Foliennummer + Enter (z. B. „18 Enter" für Folie 18). Notiere dir die Nummern deiner Backup-Folien auf einem Zettel oder in den Sprechernotizen, damit du sie im Kopf hast.
Wenn du eine Frage nicht beantworten kannst: Ehrlich bleiben, ohne auszuweichen. „Das habe ich nicht explizit untersucht, aber meine Einschätzung wäre..." oder „Das lag außerhalb meines Fokus. Ich würde vermuten, dass..." zeigt Reflexion, ohne etwas vorzutäuschen.
Technische Vorbereitung und Prüfungssetting
Prüfungssetting klären: Frag vorab, ob du deinen eigenen Laptop nutzen darfst oder einen Seminarrechner verwenden musst. Bei fremden Rechnern empfehlen sich Standardschriften (Arial, Calibri), weil exotische Fonts oft fehlen und das Layout zerschießen. Videos sind riskant, weil Codecs fehlen können. Alternativen: GIF, Standbild mit Beschriftung oder Screenshot aus dem Video. Wenn Video nötig, als separate Datei mitbringen.
Backup-Strategie: Originaldatei (PowerPoint/Keynote) plus PDF auf USB-Stick und in der Cloud. Das PDF ist dein Notfall-Backup, falls nichts anderes funktioniert. Optional: Folien als Ausdruck (6 pro Seite) für den absoluten Notfall, falls alle Technik versagt.
Presenter/Klicker: Wenn du einen eigenen Presenter hast, nimm ihn mit. Vorher testen, ob er mit dem Präsentationsrechner funktioniert. Ohne Klicker musst du am Rechner stehen, das schränkt deine Bewegungsfreiheit ein.
- Dateien: Originaldatei + PDF auf USB-Stick + Cloud. PDF im Vollbildmodus getestet.
- Schriften: Nur Standardschriften oder eingebettet. Im PDF-Export Schriftbild geprüft.
- Videos: Lokal eingebettet + als separate Datei dabei. Offline getestet.
- Hardware: Adapter (HDMI, USB-C, VGA), Klicker, Ladekabel. Auf fremdem Rechner getestet.
- Optional: Folien als Ausdruck (6 pro Seite) für den Notfall oder als persönliche Gedächtnisstütze.
Nächster Schritt: Von der Präsentation zum Vortrag
Deine Präsentation ist fertig, wenn Leitfrage, Methode, Ergebnisse und Grenzen klar auf den Folien stehen. Prüfe: Kann jemand nach dem Durchblättern sagen, was deine Kernaussage ist? Funktioniert die Datei auf einem fremden Rechner? Dann ist der visuelle Teil abgeschlossen.
Jetzt geht es ans Vortragen. Übe mindestens dreimal mit Stoppuhr. Bereite eine Kürzungsversion vor (zwei Folien weglassen), falls du merkst, dass du überziehst. Falls du ein Handout brauchst, erstelle es parallel zur Präsentation, nicht erst am Abend vorher.
Falls du noch an deiner schriftlichen Arbeit feilst, prüfe Gliederung, Fazit und Literaturverzeichnis. Präsentation und schriftliche Arbeit müssen dieselbe Geschichte erzählen.
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Häufig gestellte Fragen
Brauche ich ein Handout zur Präsentation?
Das variiert je nach Vorgabe. Viele Dozenten erwarten ein einseitiges Handout mit Leitfrage, Kernthesen und Quellenangaben. Prüfe den Leitfaden oder frag direkt nach. Das Handout ersetzt nicht die Folien, sondern gibt dem Publikum etwas zum Mitnehmen.
Soll ich Sprechernotizen oder ein Skript nutzen?
Sprechernotizen in PowerPoint oder Keynote sind praktischer als ausgedruckte Skripte. Schreibe pro Folie 2–3 Stichworte als Gedächtnisstütze, keine ganzen Sätze. So bleibst du flexibel und wirkst freier. Übe vorher, damit du die Notizen nur selten brauchst.
Wie übe ich das Timing konkret?
Nutze die 3-Proben-Methode: Erster Durchlauf allein mit Stoppuhr (meist zu lang). Zweiter Durchlauf mit Kürzungen. Dritter Durchlauf vor einer Testperson. Plane einen Puffer von 10 % ein. Wenn du 15 Minuten hast, übe auf 13–14 Minuten.
Muss ich bei jeder Folie eine Quelle angeben?
Bei allen fremden Inhalten: Zitate, Daten, Fakten, Definitionen, Grafiken – egal ob wörtlich oder paraphrasiert. Eigene Schlussfolgerungen und Interpretationen brauchen keine Quelle, aber sobald ein Fakt oder Ergebnis aus einer fremden Quelle stammt, gehört ein Kurzbeleg dazu. Bei wörtlichen Zitaten zusätzlich Seitenzahl. Details im Abschnitt „Quellen auf Folien".
Was gehört auf eine Gliederungsfolie?
Eine Gliederungsfolie zeigt die Struktur deines Vortrags in 3–5 Punkten: Leitfrage, Methode, Ergebnisse, Diskussion, Fazit. Halte sie kurz und verzichte auf Unterpunkte. Bei kurzen Vorträgen (10 Min) ist eine Gliederungsfolie oft überflüssig.
16:9 oder 4:3 – welches Format wählen?
Moderne Beamer und Bildschirme nutzen meist 16:9. Prüfe vorab, welches Format im Seminarraum üblich ist. Wenn du es nicht weißt, ist 16:9 die sicherere Wahl. Wichtig: Wechsle das Format nicht nachträglich, das verschiebt alle Inhalte.
Wie zitiere ich Bilder auf Folien korrekt?
Schreibe die Quelle klein unter das Bild: „Quelle: Unsplash / Fotograf (2024)" oder „Quelle: Müller (2023), S. 45". Bei eigenen Fotos oder Grafiken: „Eigene Aufnahme" oder „Eigene Darstellung". Die Quellenfolie am Ende listet alle Bildquellen nochmals auf.
Wo platziere ich Backup-Folien in der Präsentation?
Nach der Quellenfolie, separat nummeriert (Backup 1, 2, 3). So ist klar, dass sie nicht zum Hauptvortrag gehören. Im Präsentationsmodus springst du bei Bedarf dorthin. Welche drei Backup-Folien fast immer sinnvoll sind, steht im Abschnitt „Rückfragen vorbereiten".
Einleitung der Seminararbeit
Die Forschungsfrage formulieren
Korrekturlesen und Checkliste